"Wirklich beeindruckend", "unvorstellbar", "Wahnsinn", das sind normalerweise nicht die Attribute, die man mit einer Kläranlage in Verbindung bringt.
Ein Besuch des Gruppenklärwerks Wendlingen am Neckar, verbunden mit einer extrem informativen Führung änderte dies.
Wir wollten uns nach dem Besuch einer Trinkwassergewinnung quasi auch einmal das andere Ende der Kette ansehen, und rechneten natürlich nicht damit, unter dem Begriff "Kläranlage" eine "High Tech-Wasserregenerierung" vorzufinden.
Unser Führer, Herr Süßmann, nahm uns ganz einfach, dem Wasserlauf folgend, durch alle Stufen der Klärung mit und hatte an allen Punkte Informationen und auf alle Fragen Erklärungen parat. Von der Grobreinigung durch Rechen, über die Sandabscheidung mit anschließender Sandwäsche, hin zu den folgenden biologischen Reinigungsstufen. War es am Anfang noch begreifbare Mechanik oder der Einsatz der Physik, kamen wir in der Biologie dann in den Bereich der Bakterien.
In einer Reihe von Becken werden dabei unterschiedliche Verfahren eingesetzt. Von Bakterien, die ohne Sauerstoff ihre Arbeit verrichten, bis zu Bakterien, die diesen via Turbokompressoren ins Wasser geblasen bekommen, sind die arbeitsteiligen Bereiche. Die Spitze stellten für uns Bakterien dar, die man durch eingeschobene Hungerperioden veranlasst, bei einem zweiten Durchlauf mehr zu fressen, als beim ersten.
Trainingsprogramme für Bakterien... überall hätte man das vermutet, aber nicht in einer Kläranlage.
An der Schautafel der Zentralsteuerung bekamen wir dann noch den Überblick, wie alles hier ineinander läuft und es auf diese Art geschafft wird, innerhalb kurzer Zeit das anfallende Schmutzwasser wieder in einen so sauberen Zustand zu versetzen, das es ungefährdet wieder der Natur zurückgegeben werden kann.
Das, so ganz nebenbei, die Kläranlage mit den in den Faultürmen gewonnenen Gasen 2/3 der benötigten Strommenge selbst herstellt, sei nur am Rande erwähnt.
"Wissen mehren" war unter diesen Bedingungen und mit dieser fachkundigen Führung eine wirklich leichte Aufgabe, wofür wir uns alle bei Herrn Süßmann bedankt haben.
